Heute aus der Serie – Europa deine Außenseiter – Teil 6 UNGARN

„Bozsik immer wieder Bozsik …“ so dringt mir die Stimme von Herbert Zimmermann in meine Ohren, als  ich den Namen Ungarn auf der Teilnehmerliste der diesjährigen Endrunde lese.

Das mit knapp 10 Mio Einwohner von Landwirtschaft und Industrie geprägte Land, bringt man hauptsächlich mit Paprika und Gulasch, Balaton,  Sisi und der Donaumonarchie in Verbindung.

Ungarn eine Weltmacht im Fußball der Nachkriegsjahren. Die Magyaren waren in den 1950er Jahren  das,  was heute Deutschland, Brasilien oder Spanien ist. Favorit auf jeden erdenklichen Titel. In den Jahren von 1952 – 1956 beherrschte Ungarn den Weltfußball. Die ungarische Nationalmannschaft blieb 4 Jahre lang in Länderspielen ungeschlagen, erst die Niederlage in Bern unterbrach diese Serie. Im Jahre 1953 gelang es den Ungarn als erste „nicht-britische Mannschaft“ England auf der eigenen  Insel mit 6:3 zu schlagen um sie im Jahr darauf in Budapest mit einer 1:7 Niederlage wieder nach Hause zu schicken. Ungarn war somit die erste Mannschaft die den  Engländern zeigten, dass sie zwar das Spiel erfunden haben, aber es lange nicht so gut beherrschten wie die Ungarn. Der herausragende Spieler dieser Zeit und Kopf der ungarischen Nationalmannschaft war Ferencs Puskas. Seine 84 Toren in 85 Länderspielen sind noch heute europäischer Rekord. Trotz Gerd Müller, Cristiano Ronaldo, Marco van Basten oder Edi Glieder.

Der Niedergang der Fußballmacht Ungarn, fand im Jahre 1956 mit der Revolution ihren Anfang , die von den Sowjets blutig niedergeschlagen wurde. Viele Ungarn verließen daraufhin das Land und wanderten nach Übersee aus. Das Team um die Vizeweltmeister von 1954 zerbrach. 1958 emigrierte Puskas nach Spanien aus und trat dort in den Dienst von Real Madrid und spielte bei der WM 1962 in der spanischen Nationalmannschaft.  Mit ihm und dem Argentinier Alfredo di Stefano begann der Siegeszug der Madrilenen in Europa. Insgesamt konnte Real Madrid 5 mal hintereinander von 1956-60 den europäischen Landesmeisterpokal gewinnen , u.a. mit einem 7:3 Sieg gegen Eintracht Frankfurt , für viele Experten das beste Endspiel aller Zeiten (4 Tore Puskas, 3 Tore di Stefano)

Der Fußball in Ungarn verlor, ganz langsam aber sicher, seine Identifikationsfiguren und schaffte bei den Weltmeisterschaften 1962 und 1966 noch kleine Achtungserfolge. 1972 bei der EM konnte man noch einen 4. Platz erreichen. Letztmalig konnte sich Ungarn 1986 für ein Turnier qualifizieren. Einer der  letzten großen Spieler den Ungarn in den 80ern noch hervorbrachte war Lajos Detari der bei der Frankfurter Eintracht  die Zuschauer verzückte.

Auch die Verpflichtung  von Lothar Matthäus als Nationaltrainer von 2004 – 2005 konnte den Niedergang von Ungarn nicht aufhalten und zeigte damit auch etwas die Verzweiflung des ungarischen Verbands auf, die den Fußballer Matthäus mit dem Trainer Matthäus verwechselt haben müssen.

Eine langen Zeit der Findungsphase begann und nach einigen Trainerwechseln stand man vor der Aufgabe die Qualifikation zur EM 2016 zu bestreiten.

Nach einer Auftaktniederlage durfte Pal Dardai die Mannschaft übernehmen und konnte, bis zu seinem Abgang Mitte 2015, die Mannschaft in erfolgreiche Fahrwasser bringen. Dardai gab seinen Job als Nationaltrainer auf da er gleichzeitig auch Trainer bei Hertha BSC war. Sein Nachfolger Bernd Storck schaffte es dann, in den restlichen Spielen den 3. Tabellenplatz in der Gruppe mit Nordirland, Rumänien, Griechenland, Finnland und den Färöer zu belegen und gelangte so in die Play Off Spiele gegen Norwegen, welche beide gewonnen werden konnten.

Das Team um den deutschen Trainer Bernd Storck mit seinen beiden Co`s Andy Möller und Holger Gehrke belegt in der brandaktuellen FIFA Weltrangliste den 20 Platz.

Aus der Bundesliga kennen wir Spieler wie Adam Szalai, der gerade mit Hannover abgestiegen ist und seine besten Jahre in Mainz verbrachte, Laszlo Kleinheisler von Werder Bremen und Zoltan Stieber ( Leihe vom HSV an Nürnberg ) der von den HSV Fans zum Spieler der Saison beim Club  gewählt wurde. Und natürlich der „Methusalem“ bei dieser EM, mit 40 Jahren , Gabor Kiraly. Seine graue „Sofa-Jogginghose“ brachte ihm unter anderem bei der Hertha in Berlin und bei den Münchner Löwen Glück.

Die Bilanz gegen Deutschland ist ausgeglichen. In den bisher 33 Partien konnte Ungarn 11 gewinnen und 12 verlieren, 10 mal trennte man sich Unentschieden. Am Samstag stehen sich beide beim letzten Testspiel vor der EM in Gelsenkirchen gegenüber.

Noch lieber als gegen Deutschland spielen die Ungarn gegen ihr Nachbarland Österreich. Hier stand man sich sage und schreibe 136 mal in einem Länderspiel gegenüber.

Bei der EM in Gruppe F wird dieser Rekord um ein Spiel erweitert wenn die beiden aufeinander treffen.  Außerdem müssen sich die Ungarn hier noch mit Island und Portugal messen.

Nach 3 mal Gold bei Olympia, 2 Finalteilnahmen bei Weltmeisterschaften sowie einem Dritten und Vierten Platz bei Europameisterschaften, macht sich das Team der Magyaren auf um in Frankreich an alte Zeiten anzuknüpfen. Da wird man aber ganz schön zu tun haben,  denn für Ungarn, nach Albanien, der größte aller Außenseiter, sind die Erfolge aus der Vergangenheit nur ein Muster ohne Wert. (taa)


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