Sommerschlußverkauf in Darmstadt – Leistungsträger vor dem Absprung oder schon weg – Schuster bleibt nicht bei seinen Leisten

Da lese ich doch auf der Homepage der Darmstädter das Motto zum Klassenverbleib  #wirbleibenDA und muss mich spontan übergeben.

Fakt ist:  Trainer Dirk Schuster verläßt mit seinem Trainerteam, löbliche Ausnahme ist Dimo Wache, die Lilien und heuert beim FC Augsburg an . Torwart Mathenia verläßt die Lilien Richtung HSV , Marco „Toni“Sailer muss den Verein verlassen, da der Vertrag der Kultfigur in Darmstadt nicht verlängert wird (warum nur?), Konstantin Rausch geht nach nur einem Jahr ablösefrei zum 1. FC Köln.  Luca Calderola, auf Leihbasis von Werder Bremen in Darmstadt, wird nach der abgelieferten Saison wieder zurück an die Weser müssen. Jerome Gondorf wird mit dem HSV in Verbindung gebracht. Marcel Heller äußerst sich zur kommenden Saison gar nicht und verweist in Gesprächen auf seinen Berater. Torjäger Sandro Wagner will ja sowieso weg, trotz Vertrag, um irgendwo anders mehr Geld zu verdienen. Wahrscheinlich nach England oder Bayern – da wo es halt richtig viel Schotter gibt.

Für einen Fußballbegeisterten sind diese ganzen Meldungen und die Situation in der sich der Verein befindet schlichtweg unverständlich und nicht nachvollziehbar. Sicherlich wäre die Situation bei einem Abstieg aus dem Oberhaus einfacher zu verstehen, aber immerhin konnte die Klasse gehalten werden und das „Märchen“ Darmstadt kann weitergeschrieben werden.  Doch das Geißlein Darmstadt 98 wird nicht nur von einem Wolf gefressen sondern von einem ganzen Rudel.

Schauen wir uns an was in der Vergangenheit an Transfers beim SV Darmstadt war.?

Für die Lilien ist es Alltagsgeschäft Spieler nach einer Saison abzugeben. In den Aufstiegsjahren musste der SV Darmstadt 98 immer wieder Abgänge von Führungsspielern hinnehmen und konnte sich aber immer qualitativ verbessern.

Im Aufstiegsjahr zur 2. Bundesliga verpflichteten die Lilien Romain Bregerie, Leon Balogun , Fabian Holland, Christian Mathenia und in der Winterpause Jan Rosenthal und verloren Elton da Costa, Benjamin Maas und Torhüter Jan Zimmermann, der in Heidenheim seine neue Bestimmung gefunden hat.

Doch nach dem Motto „Kurz da – gleich wieder weg“ gingen zum Start in die Bundesligasaison die Spieler Leon Balogun und Romain Bregerie zu direkten Ligakonkurrenten und Hanno Behrens, hatte einen etwas schlechteren Berater, ging zum Club nach Nürnberg. Seine ehemaligen Kollegen durften Erstliga-Luft schnuppern, während er wieder ein weiteres Jahr in der  2. Liga dranhängt. Doch auch hier wurde wieder guter Ersatz geholt: Mit Luca Caldirola von Werder Bremen, Peter Niemeyer und Sandro Wagner von Hertha BSC , mit Slobadan Rajkovic und Konstantin Rausch vom VfB Stuttgart und mit Mario Vrancic von Paderborn wurde der Kader für das Oberhaus verstärkt.

Die Lilien-Führung unter Präsident Fritsch und Trainer Schuster hat bisher mit dieser Einkaufspolitik Fingerspitzengefühl gezeigt und die Mannschaft im Rahmen der Möglichkeiten soweit ergänzt um den Klassenverbleib zu sichern und den finanziellen Rahmen nicht zu sprengen.

Trainer Dirk Schuster hat bewiesen dass er „schwierige“ Spieler, die in anderen Vereinen gescheitert sind, zu einer Einheit formen kann und von dem „Projekt“ Darmstadt 98 zu überzeugen. Doch was sich auf der einen Seite als Segen erwiesen hat, ist für die Zukunftsperspektive des Vereins ein Fluch.

Sicherlich war die Station Darmstadt  für einige die letzte Chance, ihre Profi-Fußball-Karriere am Leben zu erhalten. Dass die Uhren im Darmstädter Profifußball anders ticken als im Rest der Republik war allen Beteiligten klar. Kleines Budget, veraltetes Stadion, schlechtes Trainingsgelände. Aber dies macht doch Darmstadt aus, anders zu sein wie der Rest der Liga. War es nicht schön mit anzusehen wie der der FC Bayern aus seiner Komfortzone musste um in Darmstadt einen Sieg einzufahren.?

Der Verein wird vor der kommenden Saison ein, gezwungenermaßen, komplett neues Gesicht bekommen. Schlussendlich zeigt dies wie hart der Profifußball mittlerweile ist und wie wenig eine Verbundenheit und Dankbarkeit der Spieler gegenüber dem Verein und den Fans gezeigt wird. Fans die in der 4. Liga dem Verein die Treue gehalten haben, die traurig waren und geweint haben als der Verein sportlich aus der 3. Liga absteigen musste. Fans die gejubelt haben als man trotzdem in der Liga bleiben durfte und dann diesen rasanten Aufstieg bis ins Oberhaus hinlegte. Dem Verein, der ein Risiko einging bei der Verpflichtung, der es ermöglichte diese Spieler wieder aus der Vergessenheit zu holen.

Spielern wie Christian Mathenia, Konstantin Rausch und auch Sandro Wagner kann man letztendlich nur Danke sagen für die geleisteten Dienste. Aber Glückwünsche für Ihre Zukunft können sie nicht erwarten. Und wenn sie zum Kalle del Haye der Neuzeit werden sollten,  kann ich nicht traurig sein. Wäre auch an der Zeit dass es hier einen neuen Begriff gibt.

Spieler in einem überschaubaren Rahmen zu ersetzen scheint zu funktionieren, das haben die Lilien in den vergangenen Jahren bewiesen, ob es ohne den Trainerstab um Dirk Schuster möglich ist, muss abgewartet werden. Jeder Trainer verfolgt eine bzw sollte er eine Philosophie verfolgen und Schuster und Darmstadt das passte zusammen. So wie damals Waldhof Mannhein und Klaus Schlappner. Auch er haute nicht nach der ersten Saison ab, obwohl er mit Sicherheit auch die Möglichkeit gehabt hätte. Aber er wußte was er am Waldhof hatte und umgekehrt genauso.

Man kann für vieles Verständnis mitbringen aber eigentlich reicht es mir. Ich mag Darmstadt und viele Vereine denen es ähnlich geht, aber ich mag nicht diese Söldner-Mentalität, ich mag Uwe Seeler der nie vergessen hat was er an dem Verein und seinem Umfeld hatte bei dem er zum Weltstar wurde.

Ja, lieber Profifußballer, jetzt kannst du sagen – „ach ich habe doch nur ein paar gute Jahre als Fußballer in denen ich Geld verdienen muss“ – Ich lach mich kaputt – du Profifußballer verdienst in einem Jahr in Darmstadt wahrscheinlich 20 mal soviel wie der Durchschnittliche Fan der ins Stadion geht um dich zu sehen . Da kann man auch mal dort bleiben, oder. Oder liegt es an den Perspektiven ? Welche Perspektive habe ich wenn ich als Torwart nach Hamburg gehe und mich hinter Rene Adler anstellen muss? Wollt ihr Nationalspieler werden und den Planet mit eurem Können begeistern ? Da seid ihr zu spät dran. Da hättet ihr nicht den Weg über Darmstadt gehen sollen. Ihr begeistert die Menge der Fans und Anhänger in Darmstadt, der Rest der Fußballrepublik hat sich vorher nicht für euch interessiert und wird es auch später nicht tun. In 20 Jahren kannst du einen Lilien Fan fragen wer Konstantin Rausch ist und er wird es dir nicht beantworten können, aber auf Dieter Rudolf, Peter Cestonaro oder Willi Wagner wirst du eine Antwort bekommen.

Ich hätte mir gewünscht dass Dirk Schuster das verkörpert was einst Otto Rehagel oder Thomas Schaaf für Werder Bremen war. Eine Leitfigur die mit dem Verein über eine sehr lange Zeit eine Vision lebt. Aber „Wünsch-Dir-Was“ gibt es bei Bundesliga Profis nicht. Der Verlust von Trainer und Spielern, und die Situation auf die der Verein jetzt zusteuert ist bedrohlich, und wenn ich ehrlich bin werden die Lilien erster Anwärter auf den Abstieg sein und ich wäre glücklich wenn es anders wird.

Nur ein konstanter Verbleib in der Bundesliga würde den 98ern eine finanzielle Situation für eine langfristige Planung ermöglichen in der für „Gescheiterten & Söldnern“ kein Platz mehr ist.

Doch vielleicht wird ja mit einem neuen Trainer und neuen Spielern alles viel besser. Hätte ich ne Glaskugel, ich würde reinschauen, doch die würde mir wahrscheinlich nur einen kleinen Verein aus dem Breisgau zeigen.

(taa)


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